Wir kennen das doch alle, oder? Gefühlt täglich kommen neue Anleitungen heraus, die auf unsere Strickliste wandern. Aber was ist eigentlich mit den Klassikern? Oder mit den Anleitungen, die schon länger auf der Liste stehen, aber in diesem irgendwie unsichtbaren Rennen immer wieder von einem neuen Modell überholt werden?
Bei mir ist das mit dem Sunday Sweater von PetiteKnit passiert. Ich wollte ihn schon ziemlich lange stricken und immer mal wieder kam er mir in den Sinn, wenn es darum ging, etwas Neues anzufangen. Und trotzdem habe ich mich jedes Mal für ein anderes Projekt entschieden.
Bis gestern. Da habe ich eine Garnkombination gefunden, bei der ich direkt dachte: Ja, das passt. Die ersten Maschen sind inzwischen angeschlagen …
Und weil der Sunday Sweater nicht das einzige bekannte Modell ist, das sich hartnäckig auf meiner Strickliste hält, habe ich noch ein paar weitere herausgesucht. Vielleicht brauchen auch sie einfach nur die richtige Farbe, das richtige Garn oder den richtigen Moment, um doch noch auf den Nadeln zu landen.
Aber erst einmal zu meinem aktuellen Projekt.

Sunday Sweater von PetiteKnit
Ich finde, der Sunday Sweater gehört zu den Modellen, die schon lange immer wieder mal bei Ravelry oder in Kundennachrichten auftauchen, einfach weil der nahtlos gestrickte Pullover so zeitlos ist. Der hohe Kragen, die anschmiegsame Rundpasse und die voluminösen Ärmel machen ihn zu einem dieser schlichten Pullover, bei denen am Ende vor allem die Farbe bestimmt, wie er wirkt.
Meinen stricke ich wie im Original aus jeweils einem Faden Kos und Tynn Silk Mohair von Sandnes Garn. Ich habe zwischen der „Chunky“-Version und der Variante aus zwei Fäden Mohair mit etwas dünneren Nadeln geschwankt. Aber ich hatte Lust auf einen Kuschelpullover und dicke Nadeln.
Vielleicht war es die Vorstellung, mit einem grünen, kuschelig weichen Pullover in den Herbst zu starten, die dafür gesorgt hat, dass er nach langer Zeit auf meiner Liste jetzt tatsächlich auf den Stricknadeln gelandet ist.

Porcelain Sweater von LeKnit
Auch der Porcelain Sweater ist längst kein unbekanntes Modell mehr. Trotzdem bleibe ich immer wieder daran hängen. Vielleicht liegt es auch an meiner Heimat Ostfriesland, dass mich das Muster ein bisschen an Delfter Blau erinnert.
Ich mag besonders den Wechsel zwischen der einfarbigen Grundfläche und den Einstrickmustern. Je nachdem, welche beiden Farben man miteinander kombiniert, kann der Pullover sehr klassisch aussehen oder deutlich moderner wirken.
Und wahrscheinlich ist das einer der Gründe, warum man sich an manchen Modellen nicht so schnell sattsieht: Man kennt das Design und entdeckt trotzdem immer wieder eine Kombination, in der man es noch einmal in einem ganz anderen Licht sieht.

Sophie Shawl von PetiteKnit
Über den Sophie Shawl muss man in der Strickwelt vermutlich kaum noch viele Worte verlieren. Und trotzdem gehört er für mich zu diesen Projekten, bei denen eine einzige schöne Garnfarbe reicht, um wieder darüber nachzudenken.
Gerade weil die Form so schlicht ist, ist er ein super Zwischendurchprojekt, Resteverwerter oder ein „Ich hab eine neue Jacke und brauche dazu noch passend einen Schal“-Projekt. Sorry, ertappt.

Stripe Hype Sweater von Veronika Lindberg
Beim Stripe Hype Sweater sind es für mich ganz klar die Farben. Streifen sind zwar nichts Neues, aber gerade bei diesem Pullover machen die unterschiedlichen Farbkombinationen einen großen Teil des Looks aus.
Es ist eines der Projekte, die mit dieser Farbkombination fest auf meiner Strickliste stehen. Ich stricke selten die Originalfarbe der Designerin, aber diese Kombination ist einfach gelungen. Ich weiß gar nicht, wie oft ich mir schon Double Sunday in unterschiedlichen Farben für dieses Projekt zusammengelegt habe, aber irgendwie kam keine davon an die originale Kombination heran.
Vielleicht muss es manchmal also gar keine neue Interpretation sein. Warum ich ihn dann nicht schon längst gestrickt habe? Ähm … fragen wir lieber nicht und machen weiter.

Berlin Scarf von Susanne Müller
Der Berlin Scarf ist noch so ein Projekt, bei dem nicht wahnsinnig viel passieren muss, damit es interessant wird. Das reduzierte Design lässt viel Raum für Material und Farbe und macht ihn für mich immer wieder spannend.
Vor allem mag ich zwischendurch solche Designs, die für sich stehen, ohne kompliziert sein zu müssen. Einfach ein tolles Alpakagarn und in Runden rechte Maschen stricken... das schreit nach Serienmarathon. Kann man die Zeit dafür eigentlich auch irgendwo kaufen?
Manchmal braucht es einfach den richtigen Moment
Keines dieser Modelle ist gerade erst erschienen. Einige davon habe ich schon unzählige Male beraten, gesehen und mir immer wieder vorgenommen, sie selbst zu stricken. Aber vielleicht ist das das Schöne an Strickanleitungen: Nur weil man ein Modell schon lange kennt, heißt das nicht, dass man es nicht irgendwann noch einmal ganz neu entdecken kann.
Beim Sunday Sweater war dieser Moment für mich jetzt da. Mal sehen, welches der anderen Modelle als Nächstes von der Liste auf die Nadeln wandert – oder was bis dahin noch neu dazukommt.
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